Predigt zu 1. Korinther 2,12-16 von Friedrich Seven

 Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie die menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche  Menschen. Der natürliche Mensch  aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden.  Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selbst von niemandem beurteilt. Denn „wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen“ Wir aber haben Christi Sinn.

                                                       Kanzelgruß

Liebe Gemeinde,

der Apostel Paulus will hier Christen in Korinth bestärken.  So weit wir wissen, drohte damals in der Hafenstadt ein Konflikt die Gemeinde zu spalten, und soviel wir von Paulus selbst erfahren, machten einige Christen in Korinth ihr Wissen um Gott und die Welt, ihre Weisheit, zum Maßstab für das Verstehen des Glaubens. Sie mochten  wohl an Gott glauben, aber an den gekreuzigten Gottessohn zu glauben, schien ihnen doch töricht. Ein Gott, der zu schwach ist, sich selbst zu helfen, kann keine Hilfe sein. An den zu glauben, verletzt gar den Stolz, und in diesem Stolz fühlten sie sich doch in Korinth mehr mit denen verbunden, die nicht zur Gemeinde gehörten, als mit ihren Schwestern und Brüdern.

Vor diesen Hochmütigen will der Apostel seine unsicher gewordenen Schwestern und Brüder schützen und sie in ihrem Glauben stärken. Deswegen nennt er sie „geistliche Menschen“.

Paulus weiß, dass er damit den Konflikt verschärft, doch schien ihm dies nötig, weil er wohl  die Gefährdung der Gemeinde durch äußere Einflüsse befürchtete.

Bringt uns aber heute die Zusage, wir seien geistliche Menschen, nicht eher in Verlegenheit?

Auch wir diskutieren über Inhalte des Glaubens: Nicht jeder meint, jede Passage des Glaubensbekenntnisses mitsprechen zu können, aber wir wollen doch keinen Keil  in die Gemeinschaft treiben. Außerdem, wo gefährden uns denn noch fremde Einflüsse?  Wer interessiert sich denn überhaupt noch für uns?

Wenn unsere Mitmenschen überhaupt noch zu uns kommen, wollen wir uns doch nicht mit unseren Gottesdiensten und  in unserem Gemeindeleben von ihnen abheben. Vielmehr suchen wir doch ihre Nähe und versuchen, Brücken zu  bauen und sie einzuladen. Die sogenannte Schwere Kost, die Worte von Gericht, Sünde und Schuld  sind nicht erst heute zu Reizworten geworden, und wir suchen sie doch  nach Möglichkeit in unserem Reden zu vermeiden. Gäben wir doch sonst unseren Kritikern damit weiterhin  nur Gelegenheit, uns auf die  Rolle der Spielverderber und Moralapostel festzulegen.

Was hilft es heute noch, von der Sünde des Geizes zu reden, wenn Geiz geil ist, oder vom Neid, wenn der doch als eine der Triebfedern für den sozialen Ausgleich gilt.

Wie kann sich der, der anderen die Schwellenangst nehmen möchte, heute auf ein Podest der Geistbegabten stellen, und meinen, von dort oben herab könne er anderen die frohe Botschaft nahebringen?

Kann das nicht immer nur Zuteilung und keine Zuwendung sein?

Wo bleibt bei so viel Geist die Liebe?

Auch viele von uns haben doch schon die böse Erfahrung gemacht, in einem Gespräch über den Glauben, vielleicht sogar in einen Bibelkreis mit seinen Bedenken, seinen Zweifeln abgebügelt zu werden mit der Zurechtweisung: „ Du hast einfach nicht den Heiligen Geist!“ Das wirkte dann immer wie ein Platzverweis und war wohl manchmal auch so gemeint.

Oft ging es bei bei solchen Gesprächen, gerade wenn um das rechte Verständnis der Bibel gerungen wurde,nicht mehr darum, den anderen zu verstehen, sondern vor allem darum, Recht zu haben 

Und wer den Heiligen Geist ins Feld führte, der wollte sich damit ins Recht setzen. Dann ging es gar nicht geschwisterlich zu.

Die Zeiten in unseren Gemeinden, wo solches Auftreten noch ganze Gruppen und Gemeindeabende dominieren konnte, sind wohl bald Geschichte.  Auch und gerade Prediger können auf den Kanzeln nicht mehr predigen, als hätten sie mit ihren Worten den Geist der Wahrheit gepachtet.

Bisweilen  scheint es eher so, als würden wir in den Gemeinden ganz auf die Wahrheit, die doch keiner für sich reklamieren kann, verzichten.

Aber wenn man alles so oder auch anders sehen kann, was ist dann noch wirklich zu sehen?

Paulus geht in der Tat davon aus, dass wir im Glauben die Welt anders sehen, als die Welt sich selbst und uns versteht.

Das soll nicht heißen, dass das, was über den Menschen und seine Natur von den Wissenschaften bis hin zum gesunden Menschenverstand verstanden und gesagt wird, falsch sein muss.

Wir wären doch umsonst zur Schule gegangen und hätten unsere Kinder umsonst auf den Schulweg gebracht, wenn wir die allgemeine Bildung nicht schätzen würden.

Paulus meint auch nicht, dass das Wissen der Welt unnütz sei, er hat vielmehr die Weltweisen im Blick, denen der Glaube daran, dass es mehr als ihr Wissen geben kann, töricht erscheint.

Vor ihnen und ihrem Hochnut will der Apostel die Christen in Korinth schützen. Aber kann man das, indem man gegen die Anmaßung der Wissenden auf den Hochmut des Glaubens setzt?

Zumal doch zum allgemeinen Wissen und zu den geläufigen Überzeugungen doch gehört, dass es mehr zu verstehen gibt, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt.

Brauchen die Menschen heute noch eine Weisheit mehr, besonders dann, wenn sie als elitäres Wissen daher kommt?

Hilfreich ist es, wenn wir hören, dass es Paulus beim Geist des Glaubens nicht einfach um ein spezielles Wissen geht. Hören wir genau auf das, was er schreibt, dann geht es Paulus zuletzt um den Sinn von Jesus Christus bei uns.

Dieser Sinn will uns wohl helfen, herauszufinden, was wahr oder falsch sein könnte, aber er will zu einem Urteil verhelfen und nicht zur Verurteilung. Es geht Paulus also auch nicht einfach darum, dass wir Christus im Sinn haben, sondern  dass wir seinen Sinn haben, also versuchen, in seinem Sinn zu reden und zu handeln. Der Geist, den er meint, ist der Geist unter Geschwistern.

Wer dem anderen im Streit um das angemessene Verstehen einer Bibelstelle zuruft: „Du hat nicht den Heiligen Geist“, widerspricht damit schon der Wahrheit, dass der Geist da weht, wo er will.

Schauen wir auf die Pfingstgeschichte: Die Jünger haben nicht plötzlich in einer Sprache gesprochen, die alle verstehen konnten, vielmehr ist doch das Überraschende an der Pfingstgeschichte,  dass jeder sie in seiner Sprache verstehen konnte. Plötzlich konnten die Neugierigen vor dem Haus der Jünger verstehen, was es heißt, nicht sich etwas zu holen, sondern neues zu empfangen. Gehört haben sie von Jesus und verstanden haben sie plötzlich, was es bedeutet, in einem anmaßenden Weltreich wie dem Römischen an den zu glauben, dessen Reich nicht von dieser Welt ist.

Das Pfingstwunder lag doch sowohl bei denen, die verstanden werden wollten als auch bei denen, die plötzlich verstanden.

Die verstanden hatten, haben damit auch nicht kleinmütig ja gesagt, so als hätten auch sie es nun endlich begriffen, sondern wollten das neue Leben ergreifen und  fortan dazugehören.

„ Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?, so fragen sie die Jünger am Pfingsttag, und was wie eine Forderung klingt, wirkt hier aus dem Munde des Petrus eher wie ein Angebot:

Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“

Das wichtigste am Heilgen Geist ist nicht, dass wir ihn haben, sondern dass wir ihn empfangen haben.

 

Amen!