Das aufgebrachte Kamel – Predigt zu Markus 10,17-27 von Martin Burger

Bei einer Oase middla en dr Wüste. A Karawane macht grad Rast. Dia Leut hen ihre Kamel ans Wasser gführt on ruhet sich aus. Die Kamele Iagern sich oms Wasser rom on kommet miteinander ins Gespräch. Sie hen uff ihre Reisa ja scho viel erlebt. Ois von dene Kamel heißt Amir. Des hat bis jetzt bloß zughört on fangt jetzt mit vrzehla an:

„I ben von Nadur aus a äußerst neugieriges on geschwätziges Kamel. Wie schön, dass I euch, liebe Genossa hier droffa han. Nehmet eich ruhig noch en Schluck Wasser, derweil verzehl i euch a Geschichte:

Was mei Jugend ogeht, so kann i ned klaga. Scho meine Leid hen em Haus des reichsten Kaufmanns en dr Stadt gschafft. So isch’s au ned verwunderlich, dass sich meine Verwandte für die vornehmste Kamele der Stadt haldet on bloß Hochdeutsch schwätzet. Meine Wenigkeit wurde dem jonga Herra zom 12. Geburtstag geschenkt. Alles in allem war er en nedda Kerle. Vielleicht a bissle zu stolz uff den Reichtum von seine Eltern. Aber des kann mr ihm au ned verdenka. Er war verantwortungsbewusst on freindlich gegaüber jedermann. On er hat sich Gedanken gmacht über sei Leba. Er hat emmr viele Froga ghet, on wo emmr i die Gelegenheit ghet hab, han i au zughört. I war viele Jahre bei ihm. I ben zomma sehr schdarka on stattlicha Lasttier worda on ben em Dienst von meim jonga Herra blieba, der sich meiner Ansicht nach zemlich brav entwickelt hat. Ja, gestern han i no denkt, dass die Zukunft ons beide nur Gutes beschera könnt. Hen mir doch des Paradies auf Erda ghet.

Bloß, so frog i euch, meine höckrige Freunde, warum grad ons dieser heimatlose Wanderprediger aus Galiläa begegna hat miaßa? Heißt es doch nur allzu wahr emma alta Schbrichwort: „Was ko scho guets aus Hofa…äh aus Galiläa komma“.

Mir zwei sen grad von’ra Verkaufsausstellung aus Kanaan hoimkehrt, als ons dieser Jesus, von dem mir übrigens schon viel ghört hen, gradwegs vor die Hufe glaufa isch. Inwieweit mein jonger Herr des em voraus plant hat, han i ned festschdella kenna. Emmr, wenn’s ebbes über den Jesus zu berichta gäba hat, hat er aufmerksam zughört on au scho so manchen Rabbi mit Froga durchlöchert. Jetzt hat er endlich die Gelegenheit kriagt, die Fragen, die ihn scho seid seiner Jugend über begleitet hen, an jemand zu richta, der uff diesem Gebiet bekanntermaßen die größte Autorität dargestellt hat. Er hat’s halt recht macha wella im Leba, mein Herr. Doch wenn ihr mich froget, war des sein größter Fehler, jetzt hat er den Salat. Aber i schweif ab.  Weiter mit dr Gschicht….

Jetzt hat mein Herr ghört, dass der Jesus ganz in der Nähe unterwegs war. Do hat ihn nix meh ghalta, on er isch zu ihm no‘gschbronga – i han grad zu tun ghet, dass I hender ihm her komma ben. On als er vor dem Jesus gschdanda isch, do isch er in die Knie ganga on hat dr Jesus ogschwätzt: „Du Jesus, guter Meischder, was mueß i eigentlich tun, damit I des ewige Leba erb?“ hat mein Chef gfrogt. Dr Jesus hat geantwortet. „Wieso sagsch du, dass i guet ben? Niemand isch guet, außer Gott.  Du kennsch doch dia Gebote.“ On schdellat eich vor – jetzt hat der Mensch tatsächlich ogfanga, dia zehn Gebote doher zu sage. Des Völkle dromrom war sichtlich gelangweil. Hen se doch dia Worte von kloi auf nur zu guet kennt. Des hätt sogar no I ihm saga könne! Doch mein jonger Freind war sichtlich beruhigt „Hano! Mich noch de Gebote richta, des dur i scho so lang wia i denka ka! I han no niemand ombrocht, gschdohla han i au no von niemand ebbes, die Ehe han i ned brocha on mein Vatter on mei Muater halt i en Ehra. Wenn des wirklich älles isch, dann dank i schee on wünsch dir no en scheena Dag. Auf dass die Glut der Sonne dir ned so arg uff deim Meckel brennt“ „Halt, halt, mei Freind“ hat dann uff oimal dr Jesus gsagt on er hat ihn dabei ganz liebevolla oguckt, „des war’s no ned ganz. Wie i seh, bisch du reich. Des zeigt dei kostbares Gewand, dr Schmuck, den du romhänga hasch und ned zuletzt bisch du dr Oführer von dera Karawane do.“ „Scho recht“ han i mein Herra saga höra „aber was hat des mit meiner Frog zom dua?“ „Mehr als du denksch! Willst du wirklich ewig läba, dann verkauf älles, was de hasch on gibs de Arme. On wenn du Luschd hasch, dann kannsch glei domit ofanga. Wenn de fertig bisch, dann kannsch mitkomma on mir nachfolga“ Schlag me’s Blechle. Was sagt denn der Jesus da? Do platzt mr grad mei Halfter! Des isch jo unverschämt. Auch als Kamel han i blos a Kamelsgeduld. I han an Zorn kriagt on ben zo dene zwei noglaufa. Des hat der Jesus jo fei nobrocht! Völlig aufgelöst on fassungslos hat mein Herr vor sich noglotzt. On dr Jesus hat ihm sogar no oins drauf gebba: „Eher geht dieses Kamel“ – on dabei hat er auf mi zeigt,  „durch a Nadelöhr, als dass en Reicher en dr Himml kommt“ Des war jetzt eindeutig zuviel. Was will er denn jetzt von mir? On warum sollt i jetzt durch a Nadelöhr laufa? So a saudomme Idee. Des geht doch nie im Leba! Au dia ganze Leid, dia do romgschdanda send, sen unruhig worda. „Wer schafft‘s dann no, selig zu werda? Gibt es ned emmer no jemand, der ärmer isch als mr selber on dem mr äbbes gäba miaßt?“ Uff oimal hat sich Jesus von meinem Herra abgwendet on hat zu dera maulenda Menge gsait: „Zom Glick wird Gott euch richta, ned ihr euch selber. Denn was bei de Menscha omeglich isch, des isch bei Gott meglich“

Beim letschda Satz hat mein Besitzer wieder a bissle noch oba guckt. Vielleicht hat er gmerkt, dass es wichtiger isch, auf Gott zu vertrauen, als auf sein ganza Reichtum on was mr so alles en seim Läba angehäuft hat. Denn an dem isch er scho ganz schee g’hengt. So han I mir des zumindest mit meim bescheidenen Kamelhirn zusammag‘reimt. On da han i Jesus die Sache mit dem Nadelöhr au scho a bissle verzeiha könna.

Mein Herr hat sich dann mit seiner Karawane wieder auf den Weg in Richtung Heimat gmacht. Es war scho faschd dunkel, als er den alda Bartholomäus droffa hat, von dem mir ned arg viel meh gwisst hen, als dass er zu de elendschde ond verkommenschte Dagdiab der Unterstadt g‘hört hat. Mein Herr isch schdeha blieba, hat mi on den alda Mo a Weile oguckt, hat ihm dann meine Zügel en dia Händ drückt on gsagt: „Nemm des Kamel, es ghört dir“ Ja wia! Han I do richtig ghört? Was hat denn der Kerle vor? Des kann er doch noch macha! Des war allerdings des letschde, was i von dem jonga Herra ghört hab. Der hat tatsächlich ernschd gmacht. Die Begegnung mit dem Jesus hat wohl en seim  Leba einiges uff dr Kopf gstellt. Er wird sich wohl no zwoimal überlega, an was er en Zukunft sei Herz hängt. I ben jo von Nadur aus a äußerschd neigieriges on schwatzhaftes Kamel on han eich jetzt lang gnueg mit meiner Geschicht glangweilt. I weiß ned, ob i des verdient hab, was mir do bassiert isch. Es bleibt mir aber wohl nix anders übrig, als dass I  mi mit meim Schicksal abfenda mueß. Doch i han au en Zukunft ned vor, durch a Nadelöhr zu krabbla!“